Vor einem schweren Kriegswinter erhält die Ukraine zusätzliche Unterstützung aus Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz versicherte nach einem Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj in Berlin: „Wir werden weiter helfen, bis dieser Krieg endet.“ Das berichtet das deutsche Medium tagesschau.
200 Millionen Euro für den Winter
Laut der Agentur dpa wird das zusätzliche Winterpaket 200 Millionen Euro umfassen: Jeweils 100 Millionen sind im Budget des Auswärtigen Amts und in den Mitteln für Entwicklungspolitik vorgesehen. Merz betonte mehrfach, dass Deutschland die Ukraine auch im eigenen Interesse unterstützt, denn das Ergebnis dieses Krieges werde die Sicherheit ganz Europas langfristig bestimmen.
Gesondert dankte der Kanzler der deutschen Wirtschaft: Nach seinen Worten hat seit Beginn des umfassenden Einmarsches kein deutsches Unternehmen die Ukraine verlassen.
„Die Verantwortung tragen alle Europäer“
Merz rief die europäischen Partner auf, die Hilfe nicht zu verringern. Die NATO-Staaten haben sich auf militärische Unterstützung für die Ukraine im Jahr 2026 in Höhe von 70 Milliarden Euro verständigt, und nun sei es wichtig, dass jeder Verbündete seinen Anteil erfülle. „Die Verantwortung tragen alle Europäer, nicht nur die Deutschen“, betonte der Kanzler.
Bereits am 19. November werden in Berlin die Anführer der sogenannten „Koalition der Willigen“ zusammenkommen. Dort soll vereinbart werden, in welchem Umfang die Ukraine im Jahr 2027 unterstützt wird, vor allem geht es um militärische Hilfe.
Zweifel an der Bereitschaft Moskaus zu Verhandlungen
Merz erklärte, er sehe in Russland derzeit keine echte Bereitschaft zu Verhandlungen über einen Waffenstillstand und ein anschließendes Friedensabkommen. Sollte Wladimir Putin die Einladung Donald Trumps zum G20-Gipfel in Florida im nächsten Monat annehmen, müsse dort nach Ansicht des Kanzlers vor allem über die Ukraine gesprochen werden, und am Tisch müsse unbedingt der ukrainische Präsident sitzen.
Der Kanzler verurteilte zudem die jüngsten russischen Angriffe auf Frachtschiffe im Schwarzen Meer: Nach seinen Worten provoziert Moskau damit eine globale Ernährungskrise, von der die ärmsten Länder am stärksten betroffen sein werden.
Prioritäten Kiews vor Abu Dhabi
In der nächsten Woche, am 10.–11. November, sollen in Abu Dhabi Delegationen der Ukraine, Russlands und der USA zusammenkommen. Selenskyj nannte die Prioritäten Kiews bei diesen Verhandlungen:
- Energie und kritische Infrastruktur — ein Waffenstillstand bei Angriffen auf diese;
- Getreide — die Beendigung der Blockade des Transports über das Schwarze Meer, woran nach seinen Worten auch Russland sowie die Länder Afrikas und Asiens interessiert sind;
- Gefangenenaustausch nach dem Prinzip „alle gegen alle“;
- später — ein trilateraler Gipfel auf Führungsebene, möglichst unter Beteiligung Europas.
Europa will einen Platz am Tisch
Beide Staatschefs beharrten darauf, dass Europa in den Friedensprozess einbezogen werden müsse. „Friedrich und ich teilen die Auffassung, dass es keinen stabilen Frieden geben wird, wenn die Europäer nicht in der einen oder anderen Form an den Verhandlungen beteiligt werden“, sagte Selenskyj. Merz fügte hinzu, dass zentrale Elemente eines künftigen Abkommens wie Sanktionen oder die Sicherheitsarchitektur ohne die Europäer nicht entschieden werden könnten.
Unterdessen hat Russland die Angriffe auf die Ukraine verstärkt: Die Zahl der zivilen Opfer ist gestiegen, die Angriffe richten sich zunehmend auf die Energieversorgung, und der ukrainischen Flugabwehr fehlen Raketen und Technik. Für die Ukrainer, insbesondere für diejenigen, die in Deutschland leben und Angehörige in der Heimat haben, könnte dieser Winter daher einer der schwersten werden.
Quelle: tagesschau.de
